Der Feldhamster (Cricetus cricetus) – Ein Portrait

von Dr. Günther Wannenmacher

(c) Redaktion: Die Neue Brehm-Bücherei; Erstellt am: 24.04.2007
Abdruck, auch auszugsweise nur mit Genehmigung des Verlages

Kennzeichen: Größe: 20 – 30 cm Gewicht: 200 – 650 g; Männchen größer und schwerer als Weibchen Körperbau: Gedrungen, kräftig. Stumpf-kegelförmiger Kopf; große häutige Ohren (gutes Hörvermögen), große schwarze Augen (trotzdem kein gutes Sehvermögen), weiße trockene Nase (guter Geruchsinn), weiße Oberlippe mit Tasthaaren. Kurze, kräftige Beine. 3 – 6 cm langer Stummelschwanz. Färbung: Ungewöhnlich bunt (möglicherweise mit Warn- und Abschreckfunktion): Braun-gelbes Rückenfell mit schwarzen Haarspitzen. Kopf rotbraun mit weißen bis cremefarbenen Flecken an Wangen, Hals und Schultern. Schnauze, Ohrränder sowie Vorder- und Hinterpfoten weiß. Bauch schwarz. Systematik: Klasse: Mammalia (Säugetiere) Ordnung: Rodentia (Nagetiere) Unterordnung: Myomorpha (Mäuseartige) Familie: Muridae (Mäuse) Unterfamilie: Cricetinae (Hamster) Gattung: Cricetus Art: Cricetus cricetus (Feldhamster) Verwandtschaft u.a. mit dem als Haustier beliebten Syrischen Goldhamster (Mesocricetus auratus). Verbreitung: Extrem großes Verbreitungsgebiet (44-59° nördliche Breite, 5-95° östliche Länge). Westlichste Vorkommen in Limburg, im Dreiländereck Deutschland, Niederlande und Belgien zwischen Aachen, Maastricht und Liège. Im Osten bis zum Fluss Jenissej in Sibirien. Im Norden bis zum Oberlauf der Wolga, im Süden bis zur Krim in der Ukraine. Verbreitungsmuster allerdings hochfragmentiert aufgrund der hohen Qualitätsansprüche an den Lebensraum. Verbreitungsschwerpunkte in Deutschland in Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Lebensraum: Kulturfolger. Feld- und Ackerland mit deckungsreichen Böschungen und Ackerrändern. Bevorzugt formstabile Löß- oder Lehmböden mit niedrigem Grundwasserspiegel. Nahrung: Wenig spezialisiert; hauptsächlich Pflanzenkost: Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Klee, Erbsen, Bohnen, Rüben, Möhren, Gurken und viele andere Pflanzenarten. Tierische Beikost aus Schnecken, Würmern, Insekten, Kleinsäugern. Sammelt enorme Nahrungsmengen (durchschnittlich 2 kg pro Tier) als Wintervorrat. Eintragen der Vorräte in den Backentaschen („Hamstern“). Lebensweise: Bau: Legt als Wühler unterirdische Baue an, in denen er einen Großteil seines Lebens verbringt. Typischer Bau besteht aus Wohn- und Vorratskammer, Kloakenbereich sowie schräger Schlupfröhre und senkrechter Fallröhre. Baue werden im Jahr mehrfach gewechselt. Aktivität: vorwiegend dämmerungsaktiver Einzelgänger. Verteidigt sein Revier außerhalb der Paarungszeit gegen Artgenossen. Im Abwehrfall gegen Feinde eher aggressiv als defensiv. Verteidigt sich mit Drohgebärden, Zischen und Bissen. Winterschlaf: von Spätherbst bis Frühjahr Winterschlaf im verschlossenen Bau. Dabei sinkt Körpertemperatur von 37°C auf 3°C. Regelmäßig Wachphasen zur Futteraufnahme. Fortpflanzung: Paarungszeit Frühjahr bis Sommer. Polygames Paarungsverhalten. Weibchen mit 2-3 Würfen mit je 4-12 Jungen pro Saison. Tragzeit ca. 20 Tage. Jungtiere bereits nach 10 Wochen geschlechtsreif. Die Lebenserwartung beträgt durchschnittlich 2 Jahre, in Ausnahmen bis zu 4 Jahre. Gefährdungsstatus: Früher als Ernteschädling und Pelzlieferant intensiv verfolgt. Starker Bestandsrückgang in Deutschland durch Lebensraumzerstörung und technisierte Intensivlandwirtschaft. Seit 1994 in der Roten Liste der BRD als „stark gefährdet“ eingestuft. Nach der Bundesartenschutzverordnung, Kategorie b, gehört er zu den besonders geschützten Arten und durch die europäische Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie Anhang IV ist er streng geschützt.

(c) Redaktion: Die Neue Brehm-Bücherei; Erstellt am: 24.04.2007
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